Beitrag vom 13. Dezember, 2016,
um 14.33 Uhr
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Ute Flockenhaus
Das neue Esszett

Das neue Eszett

Seit hundert Jahren klafft zwischen den deutschen Buchstaben eine Lücke. Als würden wir über eine Hängebrücke balancieren, mit festem Halt von Buchstabe zu Buchstabe voranschreiten, um dann doch vor einer morschen Stelle zu stehen und nicht weiter zu wissen. Diese morsche Stelle ist das große Eszett. Es war unter den deutschen Buchstaben schlichtweg nicht vorgesehen. Regelmäßig stürzen hier Menschen rechtschreibtechnisch ab (mit Ausnahme der Schweizer, aber das mit den Ausnahmen und der Schweiz ist eine andere Geschichte). Um diese Absturzgefahr zu bannen, musste der deutsche Rechtschreibrat sich in Geduld üben. Er wartete auf die Aufnahme des großen Eszett in den internationalen Unicode, einer weltweit standardisierten Codierung von digitalen Zeichen. Dies ist jetzt gelungen und in Folge sind viele tausend Schriftfamilien erschienen, die die Eszett-Lücke geschlossen haben. Optisch ist dies den Typografen mal mehr, mal weniger gelungen. Wenn nun noch die Kultusministerkonferenz ihren wohlfeilen Segen gibt, werden uns unsere Buchstaben erstmalig seit 1919 ein lückenloses Durchqueren des Sprachdschungels ermöglichen. Danke!

 

 

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