Beitrag vom 03. Mai, 2016,
um 16.19 Uhr
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Ute Flockenhaus

Wie funktioniert eigentlich Schreiben?

Verabschieden Sie sich von der Idee, auf Anhieb einen perfekten Text schreiben zu wollen. Selbst bei erfahrenen Autoren funktioniert das nicht. Betrachten Sie Ihr Schreiben vielmehr als einen Prozess, der sich in vier höchst unterschiedliche Phasen gliedert.

In Phase 1 geht es um das kreative Sammeln von Ideen und Informationen. Man beschäftigt sich mit dem Thema und sammelt alles, was einem dazu in die Hände fällt. Man tastet sich heran und wählt aus, was für das Buch interessant sein könnte. Bei dieser Stoffsammlung geht es nicht um Struktur, sondern um eine offene Haltung dem Thema gegenüber. Es darf ruhig wild durcheinandergehen und gesprungen werden. Wichtig ist es, den Blick weit zu halten: Was gibt es bereits zu dem Thema, was ist der aktuelle Stand? Will ich mich davon abgrenzen oder damit konform gehen? Was schreiben die Kollegen, die Medien? Was ist bereits an eigenem Material vorhanden? 

Erst in Phase 2 geht es um die Struktur, die Gliederung, den roten Faden. Wie lassen sich die gesammelten Themen verbinden? Welche Themen stehen im Mittelpunkt und wie hängen Sie zusammen? Der rote Faden oder die Gliederung ist wie eine Reiseroute, auf der wir als Autoren unsere Leser mitnehmen.

In Phase 3 beginnt das eigentliche Schreiben. Hier sollten wir dem Motto folgen, es fließen zu lassen. Schreiben ist ein subjektiver Prozess, er hat direkt etwas mit uns zu tun, unserer Sichtweise auf die Welt. Je genauer wir die Welt betrachten, desto mehr sehen wir. Daran erkennt man die Qualität von Texten.

Erst in der Phase 4 des Schreibens geht es um den kritischen Blick auf den Text. Hier gilt es, eine Distanz aufzubauen, einen Schritt zurückzutreten, den Text auf Verständlichkeit und Wirkung zu prüfen. Und es geht darum, loszulassen. Nicht alles, was im kreativen Prozess zustande gekommen ist, ist gut und zielführend. Gerade die Formulierungen, die man beim Schreiben toll fand, stellen sich beim kritischen Lesen häufig als billige Gags oder wuchernde Ideen heraus, die wegführen von dem, was man eigentlich sagen wollte.

Manchmal fällt es Autoren schwer, ihre eigenen Worte loszulassen und zu streichen. Aber das gehört dazu. Gute Schreiber gehen wieder und wieder über ihre Texte, ändern und streichen, pointieren und glätten. So lange, bis es stimmt.

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