Beitrag vom 26. Oktober, 2016,
um 14.39 Uhr
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Ute Flockenhaus
Venice Beach

Wo geht's denn hier bitte nach L.A.?

Und plötzlich war sie da. Wie aus dem Nichts stand sie damals 2011 vor mir. Eine grandiose Idee war geboren. Schwanger war ich mit dem Traum von Kalifornien schon seit meinen Teenagertagen. It never rains in Southern California. Meer, Sonne, Leichtigkeit und Menschen, die der Zukunft einen Schritt näher sind als in Good old Germany. Dennoch traf mich der aufblitzende Wunsch in diesem Moment unvorbereitet. Nichtsahnend saß ich im Auto und dann das: Ich wollte mein Homeoffice für zwei Monate nach Los Angeles verlegen, dort leben und arbeiten. Allein. Ich war elektrisiert und begeistert von dieser Idee. Als ich von der Fahrt zurück zuhause war, setzte ich mich an den Laptop, um Flüge und Wohnmöglichkeiten zu checken. Ich würde nicht viel brauchen, eigentlich nur einen vernünftigen Internetanschluss und den gab es in jedem noch so kleinen Appartement oder Zimmer. Kalifornien eben.

    Am Abend dieses Tages war ich sicher, dass alles machbar war. Die Euphorie wuchs und strömte durch alle Blutbahnen meines Körpers. Am nächsten Tag präsentierte ich die Idee meiner Familie. Hier hielt sich die Begeisterung in Grenzen, mich für zwei Monate zu entbehren und ohne Kontakte oder Bekannte in einer Megacity zu wissen. Ich verstand die Einwände und Bedenken, nahm die Hürde jedoch sportlich und testete die Resonanz weiter. Ich sprach mit Freunden und meinen Chefs. Die Reaktionen waren unterschiedlich und zum Teil hatte ich den Eindruck, dass man meine grandiose Idee nicht ernst nahm. Eine Idee ist eine Idee, und häufig verschwinden solche Ideen schließlich genauso schnell, wie sie gekommen sind, ganz gleich wie toll sie einem im ersten Augenblick erschienen waren und wie machbar sie sich dargestellt hatten. Aber ich sprach weiter darüber, telefonierte mit Freunden und Bekannten. Einer dieser Freunde überraschte mich mit seiner Reaktion, denn er hörte einfach nur zu, ließ den Schwall meiner Begeisterung über sich hinwegschwappen und stellte mir eine Frage:

    „Weißt du, was du jetzt tun musst?“

    Ich verstand die Frage nicht. Ich hatte alles, was nötig war, gecheckt, mögliche Hürden durchdacht, einen Plan gemacht, dass ich in gut einem halben Jahr Richtung L.A. starten könnte – was wollte er von mir? Ich antwortete:

    „Nein, ich habe keine Ahnung, was ich jetzt machen muss. Und ich verstehe die Frage auch nicht.“

    „Buchen“, sagte er. „Du musst jetzt buchen, Ute.“

    Und damit hatte er verdammt recht. Wenn wir wollen, dass aus einer Idee Wirklichkeit wird, müssen wir den Konjunktiv eliminieren. Wir müssen buchen, einen Vertrag unterschreiben, Fakten schaffen. Denn viele Ideen verbleiben im Land der Träume, weil wir schlichtweg nicht den nächsten entscheidenden Schritt gehen. Wir können unsere Träume nur leben und verwirklichen, wenn wir „buchen“.

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